Erste Hilfe beim Hund

Erste Hilfe beim Hund

ERSTE HILFE – DIE EIGENE SICHERHEIT

Auch wenn eine Situation schnelles Handeln erfordern sollte, ist niemandem geholfen, wenn ihr euch dabei in Gefahr begebt. Vor allem in Bezug auf Erste-Hilfe-Maßnahmen an Tieren dürfen wir nie vergessen, dass diese sich durchaus wehren könnten.

Ich konnte einmal vor einigen Jahren eine gefährliche Einfangaktion auf einer Autobahn beobachten. Ein paar Ponies waren bei einem Gewitter von einem nahe gelegenen Hof ausgebrochen und liefen in Panik über die Autobahn. Durch die mittlerweile stehenden Autos hindurch konnte ich sehen, wie ein Mann vergebens versuchte, eines der Ponies im Vorbeilaufen am Halfter zu greifen. In seiner Verzweiflung stellte er sich mit ausgestreckten Armen vor das Pferd, um es zum Halten zu bewegen. Nur der beherzte Griff einer Frau neben ihm, rettete ihn vermutlich vor einem Krankenhausaufenthalt – denn das Pony wäre stumpf durch ihn hindurch gerannt.

Nun liegt das natürlich nicht an der bösartigen Natur von Kleinpferden, sondern daran dass das Tier in Panik war.

Ebenso kann es bei Hunden und Katzen passieren, dass Schmerzen, Angst und das körperliche Bedrängen aggressives Abwehrverhalten auslösen. Das können fremde aber auch unsere eigenen Tiere sein. Behaltet das jederzeit im Hinterkopf!

Im Notfall kann man versuchen dem vorzubeugen: Bei Katzen mit Hilfsmitteln wie Decken, dicken Handschuhen oder einer Jacke. Bei Hunden mit einer Maulschlaufe, einem Maulkorb oder wenn beides nicht vorhanden ist, einem Tuch (bspw. einem Dreieckstuch oder einem Halstuch).

Wie ihr ein Tuch schnell zur Maulschlaufe umfunktionieren könnt:

  • nehmt das Tuch und legt es zu einem Dreieck zusammen
  • dreht das Tuch von der Längsseite zusammen
  • legt das zusammengelegte Tuch über die Schnauze des Hundes
  • überkreuzt die Enden unter dem Kinn des Hundes
  • führt die Enden nun am Hals vorbei und knotet sie hinter dem Kopf zusammen

Wichtig: Das Tuch sollte so fest sein, dass der Hund euch nicht beißen, aber noch atmen kann! Entfernt das Tuch wieder, sobald möglich.

ERSTE HILFE – VITALFUNKTIONEN

Wenn wir unserem oder einem fremden Hund helfen wollen, müssen wir zuerst wissen, wie die Vorgänge in einem gesunden Hund aussehen.

Die Atmung

Im Ruhezustand beträgt die Atemfrequenz eines Hundes durchschnittlich 14 – 30 Atemzüge pro Minute. Kleine Hunde atmen in der Regel schneller als große Hunde.
Hecheln ist damit nicht gemeint! Im Stresszustand kann die Atemfrequenz des Hundes deutlich steigen.

Die Atemzüge am Hund kann man zählen, indem man die Bewegungen des Brustkorbs beobachtet oder das Ohr an den Brustkorb des Hundes legt.
Wenn absolute Unsicherheit besteht, OB der Hund atmet, kann man das an der Nase oder am geöffneten Fang prüfen. Hierbei kann die eigene Hand oder ein kleiner Spiegel helfen.

Der Puls

Der Puls eines Hundes beträgt im Ruhezustand 80 – 120 Herzschläge pro Minute.
Kleine Hunde haben einen schnelleren Herzschlag als große Hunde.
Der Puls kann im Innenschenkel gemessen werden.
Greift man von vorn an den Innenschenkel und stoppt vor dem Oberschenkelknochen, kann man die Arteria femoralis pulsieren spüren.
Ich habe euch das an Miras Bein kurz versucht, zu veranschaulichen (siehe 2.Bild).

Die Körpertemperatur

Die Normaltemperatur des Hundes liegt bei 37,5 bis 39,5°C. Sie wird rektal gemessen.
Die Temperatur kann durch Stress nach oben schwanken. Im Zweifel sollte in Ruhephasen noch einmal nachgemessen werden.

DIE KAPILLARE FÜLLZEIT

Oder auch: KFZ. Die Prüfung der KFZ gehört zur Allgemeinuntersuchung und dient der Bestimmung des Kreislaufzustandes. Kapillaren sind die kleinsten Blutgefäße.
An einer unpigmentierten Stelle wird Druck ausgeübt. Gemessen wird dann die Zeit nach Wegnahme des Drucks, wie lang die Haut benötigt, um wieder rosig zu werden (die Kapillaren wieder vollständig durchblutet sind). Diese Zeit sollte für Hunde und Katzen unter 2 Sekunden liegen.

Probiert es bei eurem Hund aus! Könnt ihr den Puls am Oberschenkel fühlen? Welchen Puls hat euer Hund?

ERSTE HILFE – DER SCHOCK

Ob es sich um die allergische Reaktion auf einen Insektenstich handelt oder die Folgen eines schweren Unfalls: Wenn der Schock eintritt, müssen wir schnell handeln.

Wie verändern sich die Vitalwerte, wenn sich ein Tier im Schockzustand befindet?

  • Die Atmung ist schnell und flach. Statt der 14-30 Atemzüge pro Minute geht die normale Atmung nun sehr viel schneller. Messen könnt ihr das mit einer Hand am Brustkorb, sollte hier aber auch gut zu erkennen sein.
  • Der Puls ist deutlich schneller und gleichzeitig schwächer. Statt der 80 – 120 Schläge pro Minute rast der Puls nun, die einzelnen Wellen sind deutlich schwächer.
  • Die Schleimhäute sind nicht mehr rosa, sondern blass. Die schlechte Durchblutung durch die schwachen Puls macht sich auch hier deutlich.
  • Die Körpertemperatur sinkt deutlich, auf 37 °C und darunter.

Wie reagiere ich, wenn sich mein Tier im Schockzustand befindet?

Macht euch SOFORT auf den Weg zur nächsten Tierarztpraxis oder Tierklinik. Solltet ihr in eurer Umgebung einen verfügbarem Tiernotdienst leben, ruft dort unverzüglich an.

In der Zwischenzeit:

  • Seitenlage, möglichst auf der rechten Körperseite (um dem Herzen dem meisten Freiraum zu geben). Die hintere Körperhälfte kann auch gern etwas erhöht liegen.
  • Der Kopf sollte nicht abgeknickt sein, streckt den Hals, damit euer Tier besser Luft bekommt.
  • Ein weiteres Auskühlen sollte durch warme Decken verhindert werden.
  • Blutungen nach aller Möglichkeit umgehend stoppen. Druckverbände, Verbände, sterile Kompressen sollten euch dabei helfen können.

Notiz am Rande: Ein Tier kann im Falle eines Notfalls nicht operiert werden, solang es sich im Schockzustand befindet. In der Klinik würde zunächst der Schock versorgt werden, bevor das eigentliche Problem operativ versorgt werden kann (bspw. bei Magendrehung).

ERSTE HILFE – DER HITZSCHLAG

Hitzschlag ist eine Folge der Hyperthermie (Überhitzung). Sie entwickelt sich an warmen Tagen, wenn der Hund durch Hecheln die Körpertemperatur nicht mehr ausreichend regulieren kann.

Zunächst kommt es zu starken Stresssymptomen. Hunde beginnen extrem schnell zu hecheln, sind weiterhin ansprechbar, sowie steh- und gehfähig. Steigt die Körpertemperatur weiterhin, kommt es zur Erschöpfung. Der Hund wird schwächer, gerät nicht selten ins Wanken und könnte auch zusammenbrechen.

Wir der Körper nicht abgekühlt, folgt der Hitzschlag. Die Körpertemperatur steigt auf über 40°C. Das Herz-Kreislauf-System kann zusammenbrechen, Gehirn und andere Organe können bleibende Schäden davontragen.

Ihr erkennt den Hitzschlag an:

  • knallroten Schleimhäuten, später blass
  • schneller, schwacher Puls
  • Erbrechen
  • Apathie
  • Herzrasen
  • schnelle, flache Atmung
  • evtl. Krämpfe

In jedem Fall müssen wir umgehend reagieren!

Abkühlen

Den Hund ins Kühle bringen. Eine Decke oder ähnliches mit Wasser benetzen und UNTER den Hund legen. Nie den Hund mit nassen oder feuchten Tüchern abdecken! Die Hitze kann unter dem nassen Tuch nicht entweichen, es droht ein Hitzestau!

Trinken

Ist der Hund bei Bewusstsein, kann man ihm lauwarmes Wasser anbieten. Kaltes Wasser könnte zu Erbrechen führen.

Bewusstsein

Sollte der Hund nicht bei Bewusstsein sein, gilt der gleiche Ablauf wie beim Schock:

  • rechte Seitenlage
  • Strecken von Kopf und Hals
  • Atemprüfung

Könnt ihr keine Atmung feststellen, prüft, ob die Atemwege freiliegen. Beginnt mit der Herzmassage, wenn trotzdem keine Atmung einsetzt. (Zum Ablauf der Herzmassage komme ich in einem eigenen Beitrag).

Informiert in jedem Fall den Tierarzt oder bringt den Hund auf schnellstem Wege dorthin – auch wenn er nach eurer Hilfe wieder einigermaßen fit zu sein scheint.

Notiz: Hohe Luftfeuchtigkeit erschwert Hunden das Abkühlen deutlich. Kurzschnäuzige Rassen wie bspw. Mops, Französische Bulldogge und Boxer sind auch bereits bei mäßigem Wetter gefährdet, eine Hyperthermie zu erleiden.

ERSTE HILFE – DER INSEKTENSTICH

Ob Mückenstich, Wespenstich, Bremsen- oder Hirschlausfliegenbiss: Sie haben alle die Gemeinsamkeit, dass ihre Stiche sehr unangenehm werden können. Doch was können wir dagegen tun, wenn unser Tier von einem Insekt gestochen wurde?

Mücken, Bremsen, Gnitzen

Diese Stiche jucken, nerven, sollten aber keine größeren Schäden anrichten. Liegt ein solcher Stich an einer empfindlichen Stelle (bspw. im Gesicht oder am Genital), kann er durch Kratzen oder Lecken gereizt werden und sich entzünden.
Frisches Narbengewebe blüht nach einem Stich auf und wird sehr berührungsempfindlich. Hier könnt ihr sehr gut mit Panthenol unterstützen. In Gelform kann es zusätzlich kühlen.

Hummel-, Wespen-, Bienenstich

Die Stiche sind meist schmerzhaft, schwellen an, werden warm und gerötet. Katzen jagen Fluginsekten gern mit den Pfoten, Hunde schnappen danach. Dadurch sind Hunde gefährdeter Insektenstiche im Bereich der Atemwege zu erleiden. Hier besteht durch Anschwellen der Schleimhäute Lebensgefahr. Die ersten Symptome sind Atembeschwerden und Röcheln.

Hirschlausfliege

Dieses kleine Tierchen ist vielen noch unbekannt. Das Insekt ähnelt einer Spinne mit Flügeln. Diese wirft sie ab, sobald sie sich auf dem Tier befindet und sich in Windeseile ins Fell gräbt, um nach einer geeigneten Bissstelle zu suchen.
Der Biss der Hirschlausfliege kann sehr schmerzhaft sein, Schwellungen und eitrige Entzündungen nach sich ziehen. Sammelt sie am besten unmittelbar von eurem Tier oder kämmt sie raus. Bisher gibt es keine bekannte Abwehr gegen Hirschlausfliegen.

Allergische Reaktion

Jeder noch so harmlose Stich kann lebensbedrohlich werden, wenn eine allergische Reaktion auf den Stich folgt.
Diese Überreaktion des Immunsystems kann Organe fern des Stiches betreffen.
Mögliche Alarmsignale sind:

  • Starke Schwellungen im Einstichbereich
  • Atemprobleme
  • Bewusstseinsstörungen
  • Erbrechen

Diese Symptome können sich bis zum Schock steigern. Deswegen gilt zur Sicherheit immer: Gleich auf den Weg zum Tierarzt machen!

Was kann ich tun?

Bei simplen Stichen von Mücken oder Bremsen oder an unauffälligen Stellen wie den Pfoten, können Honig und Kamillentee helfen.
Dazu kocht ihr einen Kamillenteebeutel auf, lasst ihn abkühlen und legt ihn auf die betroffene Stelle. Honig auf dem Stich kann diesen schnell beruhigen und Entzündungen hemmen. Gegen die Schwellungen hilft reguläres Kühlen mit Eis oder kaltem Wasser.
Reagiert euer Tier unmittelbar auf den Stich oder liegt er in der Nähe der Atemwege, macht euch sofort auf den Weg zum nächsten Tierarzt!


Zusätzlich könnt ihr versuchen den Rachen zu kühlen. Dabei hilft alles, was der Hund davon annehmen möchte:

  • Eiswürfel
  • Speiseeis
  • Frozen Joghurt
  • kalter Quark

ERSTE HILFE – DIE MATERIALIEN

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…
Was gehört in einen Verbandskasten und was hat man aus Erfahrung zusätzlich dabei?

Standards wie Verbände, Kompressen, Dreieckstuch, Fixierbinden und Scheren findet ihr in jeder Grundausstattung.

Bei Tieren sind Koväsivbinden, Trageutensilien (Fido Rucksack, mobile Tragen), Desinfektionsmittel, Kinesiotape, Schmerzmittel, Watte, Krallenschere, Fieberthermometer immer gern gesehen, sollte im Urlaub etwas passieren.

Für unterwegs eignet sich ein kleines Set aus Tragerucksack, Verbänden, Kompressen, Watte und Kohäsivbinden, um bspw. schnell einen Pfotenverband anlegen zu können.

Packt ihr euch auch ein Erste Hilfe Set zusammen oder habt ihr immer einen Tierarzt in der Nähe?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Dieser Inhalt ist geschützt!