Meine Hunde: Mira

Meine Hunde: Mira

Mira & Unser Weg in die Physiotherapie

Mira Winter 2021

Mira ist ein Rottweiler mit ein bisschen Mix dazu. Was genau noch mit drin steckt, wissen wir nicht. Wir sagen immer, es ist nicht wichtig, aber wir spekulieren gerne darüber. Sie ist eine absolute Schnüffelnase, mittlerweile eine Wasserratte, hält ihr Rudel gern zusammen, passt auf und kuschelt am liebsten mit allen gemeinsam auf der Couch.

Mira zog 2018 im Alter von zwei Jahren bei uns ein. Sie saß nach einer Beschlagnahmung im Tierheim, wo man viel mit ihr gearbeitet hatte. Trotz ihrer Geschichte, von dem wir nur grobe Stücke kennen, war sie unkompliziert. Glücklich, lustig, frech, in manchen Situationen ängstlich, vor allem bei fremden Männern.

Die Diagnose

Mira wirkte ab und an etwas wackelig auf den Beinen. Vom Tierheim aus hatte man sie am Ellenbogen wegen einer Ellenbogendysplasie operieren lassen. Wir waren also grundsätzlich vorbereitet, dass sie nicht völlig gesund ist und hatten uns bereits vom Tierarzt beraten lassen.

Wir besuchten nach ihrem Einzug regelmäßig unsere Tierärztin zur Physiotherapie. Keinen Monat später ließ ich Mira in der nächsten Tierklinik röntgen. Sie stand immer wieder recht wackelig, legte sich nie in der Sphinxposition ab, seufzte viel und saß häufig schräg auf ihrem Hintern.

Die Diagnose war nicht nur ernüchternd, sondern erschreckend. Die Ellenbogen sahen gar nicht mal so schlecht aus, zumindest nicht schlechter als vor der OP. Dafür: Spondylosebrücken in der Lendenwirbelsäule und eine hochgradig arthrotische Hüfte.

Hüfte vor GA
Während links bereits starke Deformierungen zu erkennen sind, ist rechts schon keine Hüftpfanne mehr erkennbar.

Wir setzten unsere Termine zur Physiotherapie natürlich fleißig fort und ließen uns beraten. Was sollten wir tun? Es standen nur wenige Möglichkeiten zur Auswahl, alles ausnahmslos Operationen. Ich las, wochenlang, jede mögliche Website, jedes mögliche Forum – auf der Suche nach Erfahrungsberichten.

Der Kreuzbandriss

Aber bevor wir uns weitere Gedanken machen konnten, rutschte ein anderes Thema nach vorn, als sie plötzlich anfing zu humpeln. Ein Besuch in der Klinik brachte erst einmal keine schnelle Lösung. Man war sich nicht sicher, ob die Lahmheit vom Knie oder von der arthrotischen Hüfte kam. Nach zwei Wochen Schmerzmitteln und vielen Recherchen, konnten wir Miras vorherigen Tierarzt ausfindig machen. Dadurch erfuhren wir von einem alten Kreuzbandriss auf der rechten Seite. Wie dieser therapiert wurde, wurde uns nicht mitgeteilt. Parallel begann ich mich mit der Diagnose eines Kreuzbandrisses mehr auseinander zu setzen. Schlussendlich kam ich zu (für mich) eindeutigen Ergebnissen und bin damit wieder in die Tierklinik gefahren. Mit der neuen Anamnese war klar: Kreuzbandriss. Der OP Termin zur TPLO (Tibia Plateau Leveling Osteotomy) folgte kurzum.

Obwohl wir wahnsinnig aufgeregt waren, deichselten wir das Thema TPLO sehr gut. Mira schlief sich nach der OP aus, danach ging es zwei Wochen für 3x 5min am Tag in den Garten.

Zuhause begann ich mit dem Cavalettitraining, passivem Bewegen und Wassertreten am See. Die Wundheilung lief wunderbar. Allerdings braucht man nicht erwarten, bei einem Hund mit derartigen Baustellen einen schnellen Muskelaufbau zu beobachten. Wir gaben ihr jede Zeit, die sie brauchte.

Die Goldakupunktur

Am Ende des gleichen Jahres tat ich endlich das, was ich zu Beginn des Jahres schon geplant hatte: Ich wechselte zu einer anderen Physiotherapeutin und besuchte eine ganzheitlich arbeitende Tierärztin in der weiteren Umgebung. Ich stellte ihr Mira vor und sprach sie auf die Möglichkeit der Goldakupunktur an. Wir sprachen über das Für und Wider von künstlichen Hüftgelenken. Wie auch bereits zwei weitere Physiotherapeuten vorher, riet sie mir davon ab. Miras Baustellen waren zahlreich und ein künstliches Hüftgelenk würde nicht unbedingt die gewünschte Wirkung erzielen, gleichzeitig sollte sie nicht mehr weiter andere Gelenke überlasten.

Das war das zweite Mal, dass ich einer Gangbildanalyse beiwohnte. Ich ließ mir die Zusammenhänge in den Schmerzen und der Bewegung erklären und welchen Ursprung sie hatten. Der Termin für die Goldakupunktur stand und ich hoffte nur, dass es die letzte Narkose in diesem Jahr sein würde.

Knapp drei Wochen später wurden Mira 65 Golddrahtstifte an Akupunkturpunkte in ihrem Körper eingesetzt. Zusätzlich gab es noch 8 Titanstifte, um ihre Narben zu entstören. Die Entstörung nahm Spannung aus den Narben und entspannte damit auch das umliegende Gewebe.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass dies nur ein Weg ist, einen Hund mit derartigen Problemen zu therapieren. Eine Goldakupunktur ist nur der Weg, den wir gewählt haben. Sie schlägt nicht unbedingt bei jedem Hund an und manche entscheiden sich lieber für eine Methode, deren Wirkung sie besser nachvollziehen können. Bei einer Goldakupunktur sollte vor allem genau geprüft werden, wo man sie durchführen lässt. Es gibt einige gute Adressen, aber leider auch viele Reinfälle.

Hüfte nach GA
Röntgenbild nach erfolgreicher Goldakupunktur

Mira lief nach der Goldakupunktur wie ein ganz anderer Hund. Der Anweisung der Tierärztin folgend, lief sie zwei Wochen ausschließlich an der Leine, damit sich der Muskelkater in Grenzen hält. Sie stob am Geschirr nach vorn, als gäbe es kein Halten mehr – und das direkt am nächsten Morgen. Der folgende Muskelaufbau war immens. Ihr Bewegungsdrang steigerte sich von Woche zu Woche. Wir passten auf, dass sie nicht zu starken Muskelkater bekam, passten aber auch ihre Bewegung an. Mira wurde zusehends leichtfüßiger und fröhlicher.

So beendeten wir unser turbulentes 2019. Wie es 2020 weiterging, könnt ihr im Blog nachlesen.

Mira ist der Grund, warum ich mich zusehends für die Hundephysiotherapie interessierte und mich letztlich für die Ausbildung anmeldete.

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