Mythen der Hundewelt: Hüftdysplasie entsteht durch industriell hergestelltes Hundefutter

Wie viele von euch auch, bin ich in der Social Media Welt in der ein oder anderen Gruppe unterwegs. Eine dieser Gruppen steht dem Austausch unter Hundehaltern mit durch Hüftdysplasie erkrankten Hunden zur Verfügung. Hier werden Hundehalter, die gerade die Diagnose frisch erhalten haben, aufgefangen und mit Informationen gefüttert. Wie in solchen Gruppen üblich, liest man manchmal aber auch weniger hilfreiche Informationen. Eine davon lese ich erschreckend häufig.

Wir haben die folgende Situation: Die Besitzerin eines Labradors aus der Zuchtlinie meldet sich niedergeschlagen in der Gruppe, da bei ihrem Hund mit einem Jahr eine mittelschwere Hüftdysplasie festgestellt wurde. Sie hat bereits die Züchterin kontaktiert von welcher ihr vorgeworfen wurde, dem Hund nur industriell hergestelltes Futter gefüttert zu haben und damit die Hüftdysplasie hervorgerufen zu haben. Neben einigem Zuspruch erhält die Besitzerin auch Kritik, denn auch andere sind der Meinung, Hüftdysplasie wird durch falsches Futter hervorgerufen.

 

Kurzum: Das ist falsch.


Der aktuelle Stand der Wissenschaft sagt folgendes:
Die Hüftgelenksdysplasie beim Hund ist eine erblich bedingte Krankheit. Sie kann durch viele verschiedene Faktoren in ihrer Ausprägung begünstigt (!) werden.

Um das besser zu verstehen, müssen wir wissen, was bei der Hüftdysplasie überhaupt passiert.

 

Was ist die Hüftgelenksdysplasie (HD)?

Dysplasie: altgr. “formen”, “bilden”

Die Hüfte des Hundes besteht grundsätzlich aus dem Hüftkopf und der Hüftpfanne. Beides ist im besten Fall perfekt aufeinander abgestimmt und funktioniert wie ein gut geschmiertes Kugellager.
Bei der HD sprechen wir davon, dass Hüftkopf und Hüftpfanne nicht perfekt zusammenpassen. Als Beispiel könnte der Hüftkopf zu groß oder zu klein sein, die Hüftpfanne ragt ggf. nicht weit genug über den Hüftkopf. Es kommt zu einer Lockerheit des Hüftkopfes.
Statt dem gut funktionierenden Kugellager haben wir nun einen Hüftkopf, der in der Hüftpfanne hin und her schlägt. Es kommt dabei zur punktuellen Überlastungen im Knorpelgewebe der Hüftpfanne. Die Folge: Arthrose im Hüftgelenk. Der Körper versucht, das lockere Gelenk zu “umbauen” um es zu festigen.

 

 

Diese Veränderungen finden bereits in jungem Alter statt, sodass ein 10 Monate junger Hund bereits Beschwerden zeigen kann. Hunde mit einer geringgradigen Hüftdysplasie können auch erst im Alter von 5 oder 6 Jahren Beschwerden zeigen.

 

Was passiert also bei einer “falschen Fütterung”?

Bei der Aussage über das industrielle Futter spielt vor allem die Annahme mit, dass in industriellem Futter grundsätzlich Abfälle verarbeitet werden würden und kaum wichtige Bestandteile für die Fütterung des Hundes enthalten seien. In diese Diskussion möchte ich hier nicht einsteigen – das wäre ein Post für sich wert. Aber: Egal ob Futter aus der Dose, Teil-BARF oder BARF: In jeder Methode steckt die Möglichkeit, seinen Hund falsch zu ernähren.

Wird ein Welpe oder Junghund zu energiereich gefüttert, kann das zu übermäßigem und ungleichem Knochenwachstum führen. Das kann zu Dysbalancen in den Gelenken führen und würde den arthrotischen Umbauprozess des Körpers im Hüftgelenk bei einer Dysplasie zusätzlich bestärken. Das Gleiche kann passieren, wenn der junge Hund zuviel und zu stark belastet wird. Die noch nicht ausgeprägte Muskulatur kann der Belastung nicht standhalten, wodurch diese sich zusehends auf die Gelenke auswirkt. Bei einem ohnehin schon angeschlagenen, lockeren Gelenk, würde dies zusätzliche Probleme mit sich bringen.

 

Was bleibt uns als Fazit?

Nicht das Futter ist die Ursache einer Hüftgelenksdysplasie, sondern die Genetik. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, überprüft regelmäßig das Wachstum und die Futtermengen eures Welpen bzw. Junghundes.
Bestimmte Tierärzte bieten eine besondere Art des Hüftröntgens an, mit welchem die Lockerheit der Hüfte frühzeitig festgestellt werden kann. Über das sogenannte PennHIP Röntgen, bzw den Unterschied zwischen PennHIP und Standard-Zuchtröntgen werde ich in einem anderen Post erzählen.

Hunde mit Hüftdysplasie kann man im Alltag sehr gut durch physiotherapeutische Maßnahmen unterstützen. Ihr möchtet die Möglichkeiten kennen lernen? Meldet euch telefonisch oder über die Terminanfrage bei mir zu einem Termin und wir besprechen alles Weitere.

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