Nahrungsergänzungen – Sinn oder Unsinn?

Nahrungsergänzungen – Sinn oder Unsinn?

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Die Frage nach Nahrungsergänzungen ist unter Hundehaltern mit von degenerativen Erkrankungen geplagten Hunden nicht selten. In den einschlägigen Gruppen auf Social Media finden sich mittlerweile etliche hundert Einträge zum Thema “Welche Nahrungsergänzungen kann ich geben?”. Viele erfahrenere Hundehalter geben hier ihre Erfahrungen mit diversen Mitteln preis. Dennoch entbrennt um das ein oder andere Produkt eine Diskussion um die Wirkungen und die Sinnhaftigkeit.

Ich habe mir die gängigsten Mittel angesehen, Studien zu ihren Wirkungen herausgesucht und mit Fachärzten über den Einsatz und die Crux der Werbung gesprochen.

Was sind Nahrungsergänzungen?

Im Gegensatz zu Arzneimitteln wird für sie keine behördliche Zulassung benötigt, um sie auf den Markt zu bringen. Außerdem müssen keine Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweise vorgelegt werden. Die hier angesprochenen Mittel werden auch im Humanbereich eingesetzt.

Um welche Bestandteile dreht es sich?

Ich werde hier auf die wohl populärsten Wirkstoffe der heutzutage meistgenutzten Nahrungsergänzungen eingehen.

Methylsulfonylmethan (MSM)Natürliche Schwefelquelle. Sie befindet sich im Körper in der Haut, der Muskulatur und den Knochen.
Schwefel in der Gelenkflüssigkeit sorgt für eine optimale Versorgung der Knorpelzellen durch Chondroitin und Glucosamin.
Kollagene profitieren in ihrer Festigkeit von Schwefel.
ChondroitinsulfatNatürlicher Bestandteil des Gelenkknorpels. Die von den Chondroblasten (Ur-Knorpelzellen) gebildete Substanz ist ein wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes und trägt zu dessen Widerstand gegen Kompression bei.
Glycosaminoglykane/ GlucosaminKörpereigene Substanz. Bestandteil des Bindegewebes, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit. Wird zum Großteil aus dem Chitin von Krebstieren gewonnen.
Omega3-FettsäurenMehrfach ungesättigte Fettsäuren. Sie hemmen die Blutgerinnung, wirken Blutdruck senkend und entzündungshemmend. Dabei belegen Studien den Fettsäuren aus maritimen Quellen eine größere Wirkung als denen aus pflanzlichen Quellen.
KollagenSorgt für Festigkeit und Flexibilität des Bindegewebes. In Form von Kollagen-Hydrolysat stellt es für eine verbesserte Nährstoffversorgung im Knorpel sicher. Kollagen-Hydrolysat ist reines Eiweiß und entsteht durch enzymatische Hydrolyse von Kollagen
CBD ÖlExtrakt, welcher aus den Blüten und Blättern von Hanfpflanzen hergestellt wird. Enthält kein THC und wirkt damit nicht psychoaktiv.
CurcuminEin intensiver orange-gelber Farbstoff. Enthalten im Gewürz Kurkuma. Ihm werden Wirkungen wie entzündungshemmend und antioxidativ nachgesagt.

MSM oder Methylsulfonylmethan oder Dimenthylsulfon

Der Grundbaustein Dimethylsulfon kommt in vielen tierischen und primitiven pflanzlichen Organismen vor. Es ist auch Bestandteil der menschlichen Ernährung. Die giftige Dosis beträgt ca. 5g pro kg Körpergewicht. Das entspricht bei einem Menschen mit 80kg Körpergewicht eine Dosis von 400gr. Im Vergleich ist MSM damit weniger giftig, als Kochsalz.

In einer randomisierten, doppelblinden, klinischen Studie von 2006 wurde die Wirkung von MSM auf Kniearthrosen beim Menschen untersucht. Das Ergebnis war, dass die mit MSM versorgten Patienten von einer verbesserten Beweglichkeit und reduzierten Schmerzen berichteten.

Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16309928/

Glucosamin & Chondroitin

Bei meiner Recherche zu diesen Wirkstoffen, stieß ich auf vielfältige Studien. Die Aussagen waren sehr unterschiedlich.

Glucosamin ist ein natürlich vorkommender Aminozucker, der im menschlichen Körper ein Bestandteil des Bindegewebes, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit ist. Chondroitin ist die von Ur-Knorpelzellen gebildete Substanz und ein wichtiger Bestandteil des Knorpelgewebes. Beide Stoffe werden aus Krebstieren gewonnen.

Zu beiden Wirkstoffen beschäftigten sich zahlreiche Studien. Die zum Teil beobachteten Wirkungen von einer Erweiterung des Gelenksspalts (Arthrose verringert diesen zusehends), besseren Viskosität der Gelenksflüssigkeit, sowie einer Schmerzlinderung konnten nicht nachweislich auf die Einnahme von Glucosamin oder Chondroitin zurückgeführt werden. Aus diesem Grund darf nach wie vor weder Glucosamin noch Chondroitin als Mittel gegen Arthrose beworben werden.

Quellen: Ärzteblatt: Chondroitin & Glucosamin unwirksam, Der Arzneimittelbrief – Wirksamkeitsstudie über Glucosamin-Sulfat bei Gonarthrose, Verbraucherzentrale über Chondroitin und Glucosamin

Kollagen-Hydrolysat

Nicht selten werden Hundebesitzer mit einem sehr populären Produkt konfrontiert: Collagile Dog ©.

Was macht Kollagen-Hydrolysat? Es reichert sich nachgewiesener Maßen im körpereigenen Knorpel an und verbessert dessen Nährstoffversorgung. Durch Arthrose degeneriert der Gelenkknorpel. Außerdem schrumpft die Gelenkkapsel und büßt zusehends an Funktion ein. Die zusätzliche Versorgung durch Kollagen-Hydrolysat kann die Knorpeldegeneration verlangsamen. Außerdem wird, insofern noch “Ur-Knorpelzellen” vorhanden sind, die Knorpelneubildung angeregt.

In der Zeitschrift für orthopädische und unfallchirurgische Praxis hat Klaus Flechsenhar zu diesem Thema eine Übersichtsarbeit herausgebracht und die entscheidendsten Studien darin erläutert und verlinkt: https://www.online-oup.de/media/article/2017/02/12668303-516B-46E4-8E0A-56D662C09B30/12668303516B46E48E0A56D662C09B30_flechsenhar_1_original.pdf

Da eine zusätzliche Beigabe von Kollagen-Hydrolysat die Nieren eures Hundes belastet, solltet ihr diese vorher mit eurem Tierarzt besprechen.

CBD Öl

Cannabidiol Öl ist im Humanbereich ein bereits häufig angewendetes, gefahrloses Mittel. CBD Öl wird aus den Cannabinoiden der Cannabispflanze gewonnen. Neben THC enthalten diese auch CBD. Im Gegensatz zu THC löst CBD keine psychoaktiven, berauschenden Effekte aus. Daher ist es auch rezeptfrei in Deutschland erhältlich.

In einigen Studien konnte bereits nachdrücklich bewiesen werden, dass die schmerzbefreiende Wirkung des CBD Öls nicht nur für Menschen, sondern auch für Hunde gilt. Wie auch bei allen anderen Nahrungsergänzungen gilt, dass bei akuten starken Schmerzen Schmerzmittel vom Tierarzt gegeben werden sollten und kein CBD Öl. Aber es bietet eine gute Möglichkeit der Dauergabe bei Hunden mit Arthrose. Auch bei Angstzuständen soll das CBD Öl helfen, muss dafür aber wie auch sonst rechtzeitig eingeschlichen werden.

Quelle: Research On CBD Oil And Arthritis

Curcumin

Kurkuma gilt seit langer Zeit als Allheilmittel für viele Krankheiten und andere Gebrechen. Natürlich hat Kurkuma auch seinen Weg zu unseren Vierbeinern gefunden. Kurkuma enthält das Molekül Curcumin, welches als natürlicher Farbstoff gilt. Es gibt unzählige Studien zur positiven Wirkung von Curcumin bei verschiedenen Krankheiten. Beim Hund sind das Unterstützung bei Problemen im Verdauungstrakt, Anregung des Galleflusses und Unterstützung des Immunsystems. Das Problem dabei stellt die geringe Bioverfügbarkeit von Kurkuma dar. Kurkuma für sich wird zu schnell verarbeitet und ausgeschieden, um einen wirklichen Effekt zu erzielen. Die Beigabe von Pfeffer erhöht die Bioverfügbarkeit jedoch stark.

Wichtig bei der Gabe von Kurkuma ist es, nicht einfach dem Hund einen kräftigen Haufen aus dem heimischen Küchenkurkuma über das Futter zu streuen. Curcumin ist nur in geringen Mengen im Kurkuma enthalten. Dafür wurden spezielle Präparate hergestellt, die das Curcumin extrahierten und häufig auch mit schwarzem Pfeffer, Piperin, vermischt haben, um die Wirkung entsprechend zu erhöhen. Sprecht die Gabe bitte vorher mit eurem Tierarzt ab, da bspw. die Wirkung auf den Galletätigkeit bei Gallesteinen zu Problemen führen kann!

Wer mehr über die Wirkung von Kurkuma wissen möchte und dabei ein wenig in die Materie eintauchen möchte, sollte sich das Video von mailab ansehen.

Grünlippmuschelpuver

Die Grünlippmuschel gehört wohl zu den am häufigsten in Foren und sozialen Medien vorgeschlagenen Naturheilmitteln. Die kleine Muschel aus Neuseeland soll einen ganzen Cocktail aus Wirkstoffen enthalten: Glycosaminoglykane, Omega3-Fettsäuren, Vitamine, Aminosäuren, Mineralstoffe.

Das Problem: Nichts davon konnte bisher nachgewiesen werden. Zusätzlich ist bei einem Naturprodukt wie der Grünlippmuschel die Zusammensetzung der einzelnen Stoffe variabel. Dadurch kann die Wirkung entsprechend gering ausfallen oder ausbleiben. Muscheln dienen außerdem als Wasserfilter und können durch ihre Funktion ggf. schädliche Stoffe enthalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ihr eurem Hund mit der Verabreichung von gut dosierter Grünlippmuschel keinen größeren Schaden zufügen könnt. Ihr solltet euch davon aber ebenso keine enorme Wirkung versprechen. An dieser Stelle ist es ggf. sinnvoller, sein Geld in Nahrungsergänzungen zu investieren, die ausschließlich Reinprodukte verwenden.

Die Sache mit der Werbung und dem Werberecht

Grundsätzlich kann man beim Kauf von Nahrungsergänzungen auf eines achten: Es darf nicht mit “heilsamen” Versprechungen geworben werden, wenn keinem der verwendeten Wirkstoffe im Produkt eine Wirkung auf die angegebene Krankheit nachgewiesen werden konnte. Das ist schlichtweg strafbar.

Beispielsweise darf ich ein Produkt, welches Chondroitin und Glucosamin enthält, nicht damit bewerben, dass es wunderbar bei Gelenksarthrosen hilft. Denn diese Wirkung konnte bisher klinisch nicht bewiesen werden.

Anders verhält es sich allerdings, wenn das gleiche Produkt nun aus Chondroitin und Vitamin E besteht. (Die Wirkung von Vitamin E bei Arthrosen und Arthritiden ist in mehrfachen Studien bestätigt worden.) Hierbei solltet ihr ganz genau drauf achten, wieviel des nachweislich wirksamen Stoffes im Produkt pro Einnahme (Tablette, Kapsel oder Einnahmeempfehlung) enthalten ist. Besteht mein Produkt zum Großteil aus Chondroitin und nur sehr geringen Teilen aus Vitamin E, damit ich es besser und legal bewerben kann oder weil es in dieser Konstellation am besten wirkt?

Fazit

Nahrungsergänzungen ersetzen keine Schmerzmittel.

Wichtig ist, dass ihr euch damit wohl und sicher fühlt, welches Präparat ihr eurem Hund gebt. Welche Qualität ist euch wichtig? Soll es zertifiziert und sicher in Deutschland hergestellt sein? Welche Wirkstoffe werden angegeben und wie werden sie beworben? Erhalte ich vom Hersteller Informationen zu den Mengenangaben? Hat mein Hund davon einen Mehrwert oder ändert sich nichts, wenn ich ihm das Mittel nach zwei Monaten nicht mehr gebe? Wie viel darf es kosten? Wie wird das Mittel dargereicht? Wenn ich jeden Tag Pulver mit einem Löffel aus einer Dose nehmen muss, habe ich nicht immer die gleiche Dosierung.

Stellt euch diese Fragen in Ruhe und überlegt genau, ob euer Hund Nahrungsergänzungen benötigt und recherchiert in Ruhe nach dem richtigen Mittel. Wendet euch im Zweifel vertrauensvoll an euren Haustierarzt.

Post Scriptum: Welche Nahrungsergänzungen ich einsetze und warum

Meine Hündin kam mit ausgeprägter HD, Spondylose und Ellenbogenarthrose im Alter von zwei Jahren zu uns. Mehr darüber könnt ihr hier nachlesen.

Nachdem ich zu Beginn auf Empfehlung ein Tierarztfutter mit diversen Zusätzen gegeben habe, bin ich darauf umgeschwenkt, die Mittel einzeln zu geben und das Futter zu wechseln. Ich gab ihr damals Grünlippmuschelpulver, welches nach einem halben Jahr keinerlei Wirkung zeigte. Allerdings war ich von den versprochenen Wirkungen der Einzelbestandteile durchaus überzeugt. Auch deshalb, weil mein Mann aufgrund einer diagnostizierten Knie-Arthrose seit langem ein Präparat mit genau den gleichen Inhaltsstoffen nimmt.

Deswegen gab ich MSM, Chondroitin, Glucosamin und Omega3 in flüssiger Form in das Futter unserer Hündin. Das zeigte Wirkung. Mitte 2020 kam noch ein Test mit CBD Öl dazu, um ihr bei den Nachwirkungen der letzten Knie-OP zu helfen (Patellasehnenentzündung).

Es gestaltete sich auf Reisen allerdings logistisch schwierig, alle Fläschchen und Dosen mitzunehmen, damit der Hund immer pünktlich jeden Tag seine Zusätze bekam. Als ich mit Mira die liebe Maj-Britt Thiesen besuchte, stieß Maj-Britt mich auf einen Nahrungsmittelergänzungskomplex, der uns seither begleitet: Pulverreich – Küstenläufer Hopp. Die Küstenläuferprodukte wurden von der Tierarztpraxis Gut Windeby zusammen mit einem Labor aus Hamburg entwickelt und stetig weiterentwickelt. Auf Gut Windeby werden ausschließlich orthopädische Probleme behandelt, dabei steht die Lebensqualität der Patienten im absoluten Vordergrund. Diese Philosophie in Kombination mit der Zusammensetzung des Präparates hat mich überzeugt, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Mittlerweile bekommt Mira die drei Kapseln pro Tag seit mehr als einem halben Jahr. Durch die Kapseln habe ich immer die gewünschte Dosierung sicher im Napf, die Kapseln kann man aufziehen und über das Futter streuen und Mira verträgt das Pulver sehr gut. Alles in allem sind wir mit unserer Wahl sehr zufrieden und diesen Zustand sollte jeder mit dem, was er seinem Hund gibt, erreichen.

Euch fehlt ein Nahrungsergänzungsmittel in der Liste? Lasst es mich wissen und schreibt es mir in die Kommentare!

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